Gottesdiensttermine

Abendmahltisch

 

Psalm 139

Herr, du erforschest mich

und kennest mich.

Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;

du verstehst meine Gedanken von ferne.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich

und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,

das du, Herr, nicht schon wüßtest.

Von allen Seiten umgibst du mich

und hältst deine Hand über mir.

Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch,

ich kann sie nicht begreifen.

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,

und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

Führe ich gen Himmel, so bist du da;

bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

Nähme ich Flügel der Morgenröte

und bliebe am äußersten Meer,

so würde auch dort deine Hand mich führen

und deine Rechte mich halten.

Spräche ich: Finsternis möge mich decken

und Nacht statt Licht um mich sein -,

so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,

und die Nacht leuchtete wie der Tag.

Finsternis ist wie das Licht.

Denn du hast meine Nieren bereitet

und hast mich gebildet im Mutterleibe.

Ich danke dir dafür, daß ich wunderbar gemacht bin;

wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

Es war dir mein Gebein nicht verborgen,

als ich im Verborgenen gemacht wurde,

als ich gebildet wurde unten in der Erde.

Deine Augen sahen mich,

als ich noch nicht bereitet war,

und alle Tage waren in dein Buch geschrieben,

die noch werden sollten und von denen keiner da war.

Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken!

Wie ist ihre Summe so groß!

Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand:

Am Ende bin ich noch immer bei dir.

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz;

prüfe mich und erkenne, wie ich's meine.

Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin,

und leite mich auf ewigem Wege. Amen

Lesung: Matthäus 28, 16-20

Liebe Gemeinde,

wir haben eben als Schriftlesung den Taufbefehl aus dem Matthäusevangelium gehört.

Dieser Text wird bei jeder Taufe vorgelesen.

Heute ist er die Basis für alle weiteren Überlegungen.

Mindestens einmal im Jahr sollen wir nämlich daran erinnert werden, dass wir getauft sind.

Eigentlich sollen wir uns jeden Tag daran erinnern,

denn die Taufe ist zwar ein einmaliges Fest, aber in der Taufe werden wir neue Menschen.

Komplett verändert.

Nach der Taufe sind wir Kinder Gottes und sollen in diesem Bewusstsein leben.

Jeden Tag sollen wir uns auf den verlassen, dem alle Macht gegeben ist, im Himmel und auf Erden.

Er ist allmächtig.

Fast alle Menschen suchen Sicherheiten.

Niemand von uns möchte gern allein sein.

Wir wünschen uns verlässliche Freunde,

Partner,

Familie.

In den Gebeten und Taufsprüchen, die Eltern für ihre Kinder aussuchen hören wir gleich, wie wichtig Ihnen die Geborgenheit,

der Schutz durch Gottes Engel

und die Sicherheit ihrer Kinder auf ihrem Lebensweg ist.

Und wenn die Eltern an diesem Festtag über das Leben Ihrer Kinder nachdenken, sind sie breit, alles dafür zu tun, damit dieser besondere, vielleicht sogar heilige Moment nicht vergeht.

Allerdings verebbt dieser Wunsch im Alltag schnell

und viele Eltern erleben auch, dass Ihre Möglichkeiten ihr Kind zu schützen nicht grenzenlos.

Sie sind nicht allmächtig,

sie sind manchmal sogar ziemlich hilflos, müde, unaufmerksam, mit anderen Dingen beschäftigt.

Dann ist es gut, wenn sie sich auf andere verlassen können,

auf Menschen, die sie unterstützen

und eben auch auf Gott.

Er ist allmächtig und er sagt und durch Jesus Christus: Siehe ich bin bei euch, alle Tage bis an der Welt Ende.

Er lädt uns ein, ein Teil von ihm zu sein.

Zeichen für diese Gemeinschaft ist die Taufe.

Die Taufe geschieht tatsächlich ohne Vorleistungen,

allein im Vertrauen auf Jesus.

Als Folge davon – so ist Gottes Gedanke - zeigen die Menschen voller Freude und Dankbarkeit mit ihrer Lebensweise, dass sie getauft sind und dass sie Gott vertrauen.

Die Taufe ist das Zeichen für den neuen Bund, den Gott mit uns Menschen schließt.

Den alten Bund hebt er damit nicht auf, sondern dieser Bund wird aufgenommen und erweitert.

In den vergangenen Wochen haben wir von Tag zu Tag immer mehr Hoffnungsbilder in den Fenstern vieler Häuser und Wohnungen gesehen.

Kinder, die ohne Tagesmutter, Kita und Schule viel Zeit zu Hause verbrachten, sollten Regenbogenbilder malen und sie gut sichtbar für ihre Nachbarn platzieren:

im Fenster,

auf dem Balkon,

mit Kreide auf dem Gehweg.

Die Botschaft, nicht nur für andere Kinder:

Bleibt zu Hause, wir tun es auch - und irgendwann wird alles wieder gut.

Zu Beginn des Lockdowns wurde diese Mitmachaktion in den Sozialen Medien verbreitet, sie wurde dann von anderen Medien bekannt gemacht und zog immer weitere Kreise.

Inzwischen sind die Bilder etwas verblichen und manche Familien haben sie auch schon wieder aus den Fenstern genommen, wie eine Weihnachtsdekoration, die der Karnevalsmaske weichen muss.

Aber hin uns wieder sieht man sie noch.

Warum ein Regenbogen?

Ich glaube für die meisten Menschen hatte es einen ganz profanen Grund:

Einen Regenbogen zu sehen, macht immer gute Laune.

Und seit jeher sind Menschen von dem Naturschauspiel fasziniert.

Fast greifbar, doch weit weg, steht der Bogen über dem Land.

Die Sonne scheint, es regnet leicht,

wo vorher noch die Sorge war, dass es einen fürchterlichen Schauer geben würde, ist jetzt die Freude über die warmen Sonnenstrahlen und die wunderschönen Farben am Himmel.

Vor gut zwei Wochen war ich bei einem sehr heftigen Regen mit dem Hund im Feld unterwegs. Direkt nachdem wir bis auf die Haut nass geworden waren, kam die Sonne raus und vor den schwarzen Wolken war ein unglaublich bunter Regenbogen zu sehen.

Im Inneren des Bogens stand den Kirchturm von St. Josef!

Es war toll!

In dem Moment ging es für mich nicht um Konfessionsunterschiede oder eine Religionszugehörigkeit.

Ich hörte förmlich Gottes Stimme:

Ich will meinen Bund mit euch halten, bis in alle Ewigkeit.

Der Regenbogen ist für viele Menschen leider kein Symbol mehr für Gottes Treue.

Er ist für die meisten Menschen einfach nur faszinierend,

aber selbst wenn wir das Symbol nicht mehr verstehen, spricht es seit vielen tausend Jahren zu den Menschen.

In Noahs Geschichte wird das Symbol eingeführt:

Gott segnete Noah und seine Söhne und sprach: »Vermehrt euch und bevölkert wieder die Erde! Ich schließe einen Bund mit euch und mit allen euren Nachkommen, 10 dazu mit den vielen verschiedenen Tieren, die bei euch in der Arche waren, von den größten bis zu den kleinsten. 11 Und das ist mein Versprechen: Nie wieder werde ich eine große Flut schicken, um die Erde und alles, was auf ihr lebt, zu vernichten.« 12-13 Weiter sagte er: »Diesen Bund schließe ich mit euch und allen Bewohnern der Erde, immer und ewig will ich dazu stehen. Der Regenbogen soll ein Zeichen für dieses Versprechen sein.

Der Regenbogen erinnert uns an eine ganz besondere Beziehung.

Von dem Höchsten,

dem Allmächtigen,

den Vater aller Welt werden wir geliebt und geschätzt.

Er ruft uns in seine Gemeinschaft.

Schutz und Sicherheit sind nicht garantiert, aber Hoffnung und eine ganz besondere Kraft.

Und eine Aufgabe:

Wenn ich mich entscheide, mich auf diesen Ruf einzulassen und mit Gott mein Leben zu führen,

übernehme ich auch Verantwortung für Gottes Schöpfung und für die Geschöpfe, die mit mir gehen.

Unter Umständen bedeutet dieses „Mitgehen“ auch, dass ich die eigenen Bedürfnisse zugunsten der Gemeinschaft zurück stellen muss.

Aber alles „Zurückstellen“ ist eigentlich ein „Vorankommen“.

Denn Gott schreibt seine Geschichte mit uns Menschen:

Noah wird auserwählt.

Noah und seine Familie!

Sie sollen noch einmal ganz von vorne anfangen.

Israel wird auserwählt.

Abraham und seine Nachkommen.

Sie werden ins gelobte Land geführt und sollen in Frieden leben mit allen Völkern.

Menschen werden von Gott in den Dienst gerufen

Jesaja, Martin Luther, Nelson Mandela und auch wir!

Jede wird mit einer besonderen Aufgabe betraut.

Jeder von uns!

Nach welchen Kriterien Gott seine Wahl trifft, bleibt ein Geheimnis

und wie es weiter geht, wenn wir unsere Aufgabe nicht erfüllen

ist auch nicht von vorn herein deutlich,

aber: Gottes Geschichte mit uns Menschen geht immer weiter!

Dafür steht der Regenbogen.

Dafür seht aber auch das Kreuz!

Auf der Schwelle zwischen dem Alten und dem Neuen Testament wird wieder eine Persönlichkeit von Gott berufen.

Er soll die Menschen auf einen neuen Weg vorbereiten.

Er ist der Rufer in der Wüste, der schon bei dem Propheten Jesaja angekündigt wird.

Er ruft zur Umkehr und zur Buße

und tauft die Menschen zur Reinigung von allem bisher Gewesenen mit Wasser aus dem Jordan.

Er tauft auch Jesus.

Damit knüpft die Geschichte an alle bisher dagewesenen Traditionen an.

Jesus muss eigentlich nicht von Sünden gereinigt werden, aber mit ihm wird die Wassertaufe zur Geist taufe.

Jesus spricht eine neue Einladung an alle Menschen aus:

Allen Völkern,

allen Menschen gilt Gottes Zusagen:

Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Jedem von uns wird persönlich zugesagt:

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöste, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.

Und für alle Zeit gilt:

Ich lebe und ihr sollt auch leben!

Du bist gesegnet,

geheiligt,

auserwählt.

Du bist wichtig,

wertvoll,

Not-wendig für deine Nächsten.

Und mit dieser Zusage ist die Frage verbunden:

Willst du deinen Weg mit Jesus Christus gehen?

willst du nach Gottes Geboten leben?

Willst du dir deine Taufe zu Herzen nehmen und sie mit deinem ganzen Leben ehren?

Und wir alle – davon gehe ich zumindest aus – wir alle haben bei der Konfirmation „Ja!“ dazu gesagt.

Vielen Jugendlichen ist das natürlich nicht bewusst.

Obwohl ich oder meine Kolleginnen und Kollegen ganz bestimmt nicht nur einmal darauf hinweisen, was das öffentliches Bekenntnis für sie und ihr Leben bedeutet, geht die Botschaft bei den meisten da rein und hier wieder raus, ohne Gehör erlangt zu haben.

Aber das macht nichts;

denn Gott ist treu.

Er ist hartnäckig und er gibt niemals auf „das Werk seiner Hände“.

Er beruft uns immer wieder

und auch immer wieder neu

und irgendwann wird sein Ruf vielleicht von uns gehört.

Wir erkennen ihn,

lernen ihn zu lieben

und erleben wie wunderbar er an uns, durch uns und für uns wirkt.

Und er stellt uns mit seinem Segen und seinen Rufe in die Unendlichkeit seiner Zeit.

Mein Vertrauen von heute hat eine Auswirkung auf die Zukunft, die ich jetzt noch nicht kenne.

Und es gibt eine Vorgeschichte, die mir vielleicht nicht präsent ist, mich aber trotzdem tiefer prägt, als ich ahne.

Vor allem aber steht ein Bogen über meinem Leben,

ein Versprechen, das alles verändert.

Dieses Versprechen anzunehmen bedeutet, mir und anderen die Herausforderungen zuzutrauen, die anstehen.

Mit Gott auf meiner Seite kann ich mutig und hoffnungsvoll seine Schöpfung gestalten.

Er hat sie auch in meine Hand gegeben.

Mit Gott an meiner Seite kann ich mich als Christ in dieser Welt zu erkennen geben und für ihn werben.

Das ist nicht einfach!

War es noch nie!

Mose hatte viel Ärger mit seinem Volk, aber er ist seinen Weg zu Ende gegangen, bis er abgelöst wurde.

Johannes hatte mächtigen Ärger mit Juden und Römern.

Aber er stand ganz auf Gottes Seite und ging konsequent seinen Weg; wurde vielleicht aber tatsächlich geköpft.

Und Jesus?

Er starb am Kreuz,

aber nicht weil er an der Gottlosigkeit dieser Welt gescheitert wäre,

sondern weil er die Gottlosigkeit ein für alle mal überwinden konnte.

Über unserem Leben steht nicht nur der Regenbogen, sondern auch das Kreuz, als Zeichen der unendlichen Hoffnung.

Das Verbindende auf all den vielen Wegstrecken, die Gott mit Menschen schon zurückgelegt hat ist sein Segen.

Der Segen wird bei der Taufe auch dem Täufling zugesprochen und mit dem Kreuzzeichen wird er bekräftigt.

Du gehörst zu Christus,

bist Gottes geliebtes Kind.

Nicht weil du besonders konsequent,

mutig,

stark

oder erfolgreich bist,

sondern weil Gott dich liebt.

Bedingungslos.

Jesus verspricht: Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Und das soll jetzt konkret werden.

Wenn Sie wollen, liebe Gemeinde, können Sie sich am Ausgang so ein kleines Bändchen mitnehmen.

Es ist ein Bekenntnis ohne Worte, denn die Menschen sehen das Kreuz an ihrem Arm baumeln und erkennen sie als Christ.

Es ist eine stille Ermutigung in schwierigen Situationen, denn die Farben des Regenbogens versprechen, dass Neues wird.

Es ist eine wortlose Verkündigung, denn alle, die es registrieren sehen: Kreuz und Regenbogen gehören irgendwie zusammen.

Und der Schönheitsaspekt ist vielleicht auch nicht zu unterschätzen!

Vielleicht denkt so manch ein Beobachter:

Das sind aber schöne Farben!

So ein Bändchen hätte ich auch gerne!

Vielleicht wird so eine Sehnsucht geweckt, aus der Gott mehr machen kann.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft bewahre unsere Hoffnung, festige unseren Glauben und mache uns in der Liebe stark. Amen.-