Wir feiern Präsenz-Gottesdienst unter unserem Hygienekonzept.

Vor der Kirche muss ein medizinischer Mundschutz oder eine FFP2 Maske aufgesetzt werden. Unsere Gottesdienstbesucher/innen werden von einer Presbyterin oder einem Presbyter begrüßt und mit den Hygienemaßnahmen vertraut gemacht.

Die Hände müssen entweder im Gemeindehaus gründlich gewaschen oder vor der Tür desinfiziert werden.

Die Besucher/innen werden vom Küster in eine Liste eingetragen.

Die besondere Rückverfolgbarkeit gewährleisten wir, indem wir neben der Erhebung von Namen, Adresse und Telefonnummer einen Sitzplan erstellen, der darüber Auskunft gibt, welche Person wo gesessen hat.

Die Sitzreihen werden von vorne nach hinten besetzt. Der Sitzplatz darf bis zum Ende des Gottesdienstes nicht verlassen werden.

Der Mundschutz kann am Sitzplatz während des Gottesdienstes abgenommen werden.

Beim Mitsingen der Lieder und beim Verlassen der Kirche, muss der Mundschutz wieder getragen werden.

Am Ende des Gottesdienstes werden die Gottesdienstbesucher/innen von den letzten bis zu den ersten Reihen einzeln aus der Kirche gebeten.

Das Kollektenkörbchen steht auf einen Stuhl im Ausgang.

Es wird sonntags ein kurzer Gottesdienst (max. 45 Minuten) um 10:00 Uhr angeboten.

Volkstrauertag 2021

Liebe Gemeinde, am 28. August jährte sich zum 80. Mal der Tag, an dem Stalin befahl, die Russlanddeutschen zu deportieren.

Aus vielen Orten der Sowjetunion wurde über eine Millionen Deutsche nach Kasachstan und Sibirien transportiert.

Sie verloren ihr Hab und Gut,

Familien wurden auseinander getrieben,

sie verloren ihr Zuhause,

und viele verloren auch ihr Leben.

6 Wochen hausten sie im Viehwaggons,

zum Teil ohne Wasser,

ohne Nahrung,

ohne Toilette oder andere hygienische Notwendigkeiten.

An ihrem Zielort wurden sie zu schwerer körperlicher Arbeit herangezogen, ganz gleich wie alt oder krank sie waren.

Sie starben an Hunger,

an Entkräftung,

viele sind im Winter erfroren oder an den Seuchen in den ärmlichen Dörfern gestorben.

Ihr einziges Verbrechen bestand darin, dass sie Deutsche waren.

Sie wurden verdächtigt für Hitler zu spionieren,

oder Deutsche Soldaten zu verstecken.

Grausam.

Krieg ist grausam!

Und es trifft viele, die absolut nichts mit den Interessen der Befehlshaber zu tun haben.

Stalin und die sowjetische Regierung reagierte auf Hitlers Vormarsch nach Russland und Hitler reagierte mit der Belagerung Leningrads.

Am 8. September 1941 schloss sich der militärische Ring um Leningrad.

Bis zum 27. Januar 1944, konnte die Bevölkerung nur im Winter einige Frauen und Kinder retten und ein paar Lebensmittel in die Stadt schaffen.

Schätzungen gehen von etwa 1,1 Millionen Toten aus.

Die meisten dieser Opfer verhungerten.

Wussten sie davon? Ich nicht!

Von Anfang an spielte Leningrad eine zentrale Rolle in den Kriegsplänen von Adolf Hitler.

Leningrad war für Hitler die „Wiege des Bösen“.

Und der Befehl lautete, die Stadt nicht zu erobern,

sondern sie abzuschließen,

die Bevölkerung systematisch verhungern zu lassen

und durch Artilleriebeschuss an der Flucht zu hindern.

Im Winter 1941/42 sanken die Temperaturen teilweise auf minus 35 bis minus 40 Grad.

In der Stadt gab es keinen Strom und keinen Brennstoff;

die Verkehrsmittel fielen aus,

die Wasserleitungen platzten,

und die Leningrader mussten weite Wege zur Arbeit

oder auf der Suche nach Essen und Holz zu Fuß zurücklegen.

Diese Kraft hatten viele nicht.

Viele Menschen brachen auf offener Straße zusammen. Der Anblick von erfrorenen Toten gehörte bald zur täglichen Erfahrung, man stumpfte ab.

872 Tage war Leningrad von der Wehrmacht eingekesselt.

Nur im Winter gab es einen Weg hinein und hinaus: den eingefrorenen Ladogasee.

Er wurde die "Straße des Lebens" genannt.

Über den zugefrorenen Ladogasee war es möglich, Frauen und Kinder aus der Stadt heraus- und Lebensmittel für die Belagerten hineinzubringen.

Die Deutschen und ihre spanischen oder finnischen Waffenbrüder versuchten dies zu verhindern.

Die Passage war immer wieder Ziel von Luftangriffen,

die Evaluierungsfahrzeuge gingen im Wasser unter, da die Granaten das Eis brachen.

Doch es war die einzige Verbindung Leningrads mit der Außenwelt, deshalb riskierten die verzweifelten Menschen ihr Leben.

Die Leningrader verarbeiteten alles, was sie hatten, zu Nahrung: Sie aßen Lederwaren, Tapetenkleister, Holzleim, ihre Haustiere.

Sie führten Tagebücher, um sich abzulenken

oder um sich zu disziplinieren und nicht die ganze Lebensmittelration auf einmal aufzuessen.

Das menschliche Miteinander reichte von Mitgefühl und Hilfe bis zu Grausamkeit und Gewalt.

In den ersten Tagen des Lockdowns haben wir erlebt, wie sensibel die Bevölkerung auf Engpässe reagiert

und wie brüchig unser Sozialverhalten wird, wenn ein existentieller Mangel auftreten könnte!!

Wie geht es wohl den Menschen an den Stacheldrahtzäunen in Belarus.

Sie kommen aus dem Irak oder Syrien,

aus Somalia oder Afghanistan.

Polen und andere EU-Staaten werfen der belorussischen Führung vor, Menschen gezielt mit der Aussicht auf Weiterreise in die EU zu ködern und an die Grenze zu bringen, um sich für die jüngsten EU-Sanktionen gegen das Land zu rächen.

Polnische Soldaten und Grenzschützer wollen ihr Durchkommen mit allen Mitteln verhindern.

Selbst schuld!“ sagen mache.

Sollen sie doch Zuhause bleiben.“

Zuhause im Krieg?

Würden wir bleiben, wenn wir jeden Tag Tote zu beklagen hätten und es Aussicht auf Frieden gäbe?

Zuhause im Hunger?

Würden wir bleiben wenn wir unsere Kinder oder Enkel verhungern sähen und es Aussicht auf Wohlstand gäbe?

Zuhause im Terror?

Würden wir bleiben, wenn uns unsere Menschenrechte abgesprochen würden und es Aussicht auf Freiheit gäbe?

Der Leningrader Ingenieur und Schriftsteller Daniil Granin veröffentlichte in den

70 -ziger Jahren zusammen mit  Ales Adamowitsch einige Tagebücher und Aufzeichnungen der Belagerten Leningrads, die davon erzählen, was es bedeutet unter menschenunwürdigen Bedingungen zu leben.

Die Aufzeichnungen lehren uns, was Menschen in solchen Extremsituationen aushalten müssen, wie sie sich behelfen,

wie sie lernen und über sich hinauswachsen,

wie sie ihre Menschlichkeit bewahren

oder zu Tieren werden und sich über sich selbst erschrecken.

Sie erzählen aber auch von Hoffnung und Mut,

von Lebensfreude trotz aller Angst und Not.

Es ist allein die Hoffnung, die Menschen am Leben hält und weiterträgt.

Das hören wir,

wenn wir mit Menschen sprechen, die traumatische Erlebnisse erfahren haben

und das spüren wir,

wenn wir Menschen begleiten, die versuchen, ihr Leben aus den Trümmern wieder aufzubauen.

Unser Leben ist eine wackelige Hütte,

kein stolzer Palast.

Es ist zerbrechlich,

dünnwandig,

anfällig gegen jede Art von Unglück,

vor allem aber gegen Gewalt und Tod.

Paulus beschreibt diese Verletzlichkeit des Lebens in unserem heutigen Predigttext mit Bildern aus seiner Zeit.

Er selbst kennt auch die Not.

Er hätte gemütlich Zuhause sitzen und seinen Wohlstand genießen können,

doch seit er vom christlichen Glauben erfasst wurde

und ihm die Augen geöffnet wurden,

konnte er nicht anders:

Er musste den Menschen von Jesus erzählen.

Er wurde verletzt,

verfolgt,

verleumdet,

gesteinigt.

Er setzte sich den Unwettern auf seinen Reisen aus, den Räubern und den polemischen Angriffen seiner Gegner.

Seine große Begeisterung für den christlichen Glauben steckte in einem schwachen Körper,

der oft nicht die Kraft hatte, zu erfüllen, was Paulus von ihm forderte.

Aber Paulus ließ sich davon nicht lähmen.

Im Gegenteil, er ließ sich von seiner Hoffnung in den Himmel tragen:

Der Körper, in dem wir hier auf der Erde leben, gleicht einem Zelt, das eines Tages abgebrochen wird. Doch wir wissen: Wenn das geschieht, wartet auf uns ein Bauwerk, das nicht von Menschenhand errichtet ist, sondern von Gott, ein ewiges Haus im Himmel. In unserem irdischen Zelt seufzen wir, weil wir uns nach der Wohnung sehnen, die aus dem Himmel stammt, und am liebsten würden wir den neuen Körper wie ein Gewand direkt über den alten anziehen. Denn nur dann, wenn wir den neuen Körper angezogen haben, werden wir nicht unbekleidet dastehen. Ja, solange wir noch in unserem irdischen Zelt wohnen, wo so vieles uns bedrückt, seufzen wir voll Sehnsucht, denn wir möchten den jetzigen Körper am liebsten gar nicht erst ablegen müssen, sondern den künftigen unmittelbar darüber anziehen. Auf diese Weise würde das, was sterblich ist, sozusagen vom Leben verschlungen.  Gott selbst hat uns auf dieses neue Leben vorbereitet, indem er uns seinen Geist als Unterpfand und Anzahlung gegeben hat. Deshalb kann nichts und niemand uns unsere Zuversicht nehmen.

Wir wissen zwar: Solange dieser Körper noch unser Zuhause ist, sind wir fern vom Herrn, denn unser Leben hier auf der Erde ist ein Leben des Glaubens, noch nicht ein Leben des Schauens. Und doch sind wir voll Zuversicht, und unser größter Wunsch ist, das Zuhause unseres irdischen Körpers verlassen zu dürfen und für immer daheim beim Herrn zu sein. Daher haben wir auch nur ein Ziel: so zu leben, dass er Freude an uns hat – ganz gleich, ob wir schon bei ihm zu Hause oder noch hier in der Fremde sind. Denn wir alle müssen einmal vor dem Richterstuhl von Christus erscheinen, wo alles offengelegt wird, und dann wird jeder den Lohn für das erhalten, was er während seines Lebens in diesem Körper getan hat, ob es nun gut war oder böse.

Paulus war Zeltmacher.

Er knüpft an die Erfahrung der Geborgenheit an,

die jeder Mensch erlebt, wenn er das kalte, unsicher Zelt verlassen kann, um in ein prächtiges, warmes Haus einziehen zu dürfen.

Unser jetziges Leben ist eher ein Zelt.

Wir schlüpfen hinein und fühlen uns etwas geborgener als wenn wir auf dem freien Feld schlafen müssten, doch in Wahrheit sind wir bedroht von allen Seiten.

Die Corona-Pandemie führt uns immer noch vor Augen, wie gefährdet unser Leben ist.

Die politischen Entwicklungen dieser Tage zeigen uns, wie grausam Menschen immer noch und immer wieder miteinander umgehen.

Der Volkstrauertag erinnert uns daran, dass nicht nur die Opfer,

sondern auch die Täter

ihrer Würde beraubt werden und nackt vor den Trümmern ihres Lebens stehen.

Wie geht man mit den Bildern der Scham und der Schuld um,

mit der Trauer und dem Entsetzen,

mit den Abgründen der Gewalt, der man nicht nur einmal, sondern Jahrelang ausgesetzt ist,

oder sogar vor dem eigenen Gewissen zu verantworten hat?

Am liebsten würden wir jetzt schon das himmlische Gewand über diesen Mist streifen,

sagt Paulus.

Wir hätten gern jetzt schon den Himmel auf Erden

und würden gerne ignorieren, dass unser Leben, unser Denken und Handeln bedroht ist.

Aber das geht nicht.

Wir sind noch nicht bei Gott,

wir schauen ihn noch nicht,

wir glauben ihn „nur“!

Und so lange wir nur glauben, müssen wir uns bemühen, bei ihm zu bleiben.

Was wir tun können ist,

so zu leben, dass Gott Freude an uns hat.

Paulus sagt: Schaue voraus.

Schaue schon jetzt die himmlische Heimat, die dich erwartet.

Glaube an den Richter, vor dem wir stehen und dem wir unsere Schuld hinhalten können.

Er sieht in dein Herz und sieht deinen Schmerz.

Er trägt mit dir die Schuld,

hält die ganze Brutalität deines Gehorsams oder deiner Ignoranz aus.

Er trocknet deine Tränen und sagt: Schon heute wirst du mit mir im Paradies sein.

Und wenn du das jetzt schon siehst,

spürst du vielleicht auch schon die Kraft und die Freundlichkeit, die von dieser Begegnung ausgeht und sie strahlt hinein in deine irdische Hütte.

Vielleicht erfüllt dich sogar schon Gottes Wärme und belebt dein Herz, so dass du nicht mehr mitmachst,

wegschaust

oder sogar Verbrechen planst.

Vielleicht beflügelt dich Jesu Hoffnung,

die Vision vom Frieden.

Paulus nimmt Jesu Botschaft vom Friedensreich so ernst, dass sie nicht erst im Himmel eine Bedeutung hat, sondern schon jetzt im Leben.

Denn wenn der Glaube mehr als eine Sehnsucht,

mehr als ein Tagtraum sein soll,

dann muss ich aufwachen und das Leben in Christi Sinne gestalten.

Die Sprache der Verachtung und der Hasses,

der Abgrenzung gegenüber Anderen ist trotz aller furchtbaren Erfahrungen von Gewalt und ihren Folgen wieder gesellschaftsfähig geworden.

In Ungarn und Polen,

aber auch in Schweden, Dänemark, den Niederlanden,

in Frankreich, Italien Österreich

und auch in unserem Land gehören nationalistische und rechtspopulistische Aussagen längst nicht mehr in die rechte Ecke, sondern zum täglichen Umgangston.

Das ist furchtbar!

Wir dürfen dabei nicht mitmachen.

Wir dürfen nicht schweigen.

Wir dürfen nicht müde werden, sondern müssen an unserem christlichen Glauben festhalten

Und dieser Glaube gebietet uns, uns für den Frieden,

für die Menschlichkeit

und die Nächstenliebe – egal um wen es geht – einzusetzen.

Wir dürfen nicht resignieren, sondern müssen all unsere Kraft aufbieten, um der Gewaltbereitschaft im Denken,

Reden

und Handeln entgegen zu treten.

Wenn uns irgendetwas an Jesus Christus und an unserer Zukunft liegt, sind wir es ihm „schuldig“,

denn der, der mein Richter ist, ist auch mein Retter.

Er lädt mich ein,

an Gottes Hochzeitsmahl teilzunehmen.

Er hat alle Schuld auf sich genommen,

damit ich frei von Schuldgefühlen immer wieder versuchen kann, das Richtige zu tun.

Er hat gelitten,

damit ich weiß, dass er bei den Leidenden ist.

Er hat den Tod überwunden,

damit ich Hoffnung habe.

Hoffnung auf unsere schöne warme, friedliche Wohnung in Gottes Himmelreich.

Weil ich eine Zukunft mit Gott habe,

bestimmt er meine Gegenwart.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Hoffnung festige unseren Glauben und mache uns in der Liebe stark. Amen.