Gottesdienste

Herzlich willkommen zur dritten Passionsandacht im Jahr 2020. Die ersten beiden finden Sie zum Nachlesen in der Rubrik "Andachten"

Auch diese Andacht feiern wir im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen!

Loben wollen wir und ehren.

Wie an den beiden ersten Abenden laden wir Sie auch diesmal ein unsere Andacht mit diesem Lied zu beginnen. Sie finden es immer noch unter der Nummer 555 in unserem Gesangbuch und alternativ oder in Kombination ist hoffentlich auch der YouTube Link immer noch gültig. Sie finden ihn an dieser Stelle:

https://www.youtube.com/watch?v=hXuLslT0uqk

Heute Abend lesen wir den dritten und letzten Teil von Psalm 22, die Verse 24-32.

23 Ich will meinen Brüdern verkünden, wie groß du bist, mitten in der Gemeinde will ich dir Loblieder singen.

24 Alle, die ihr vor dem Herrn Ehrfurcht habt, preist ihn! All ihr Nachkommen Jakobs, gebt ihm die Ehre! Begegnet ihm mit Demut und Verehrung, all ihr Nachkommen Israels!

25 Denn der Herr hat sich von der Not des Hilflosen nicht abgewandt und seine Leiden nicht verachtet. Ja, der Herr hat sein Angesicht nicht vor ihm verhüllt, sondern auf ihn gehört, als er um Hilfe rief.

26 Du, Herr, gibst mir Grund dafür, dich zu loben inmitten der großen Gemeinde. Mein Gelübde will ich erfüllen vor den Augen derer, die dem Herrn in Ehrfurcht dienen.

27 Die Armen sollen wieder essen und satt werden. Die den Herrn suchen, sollen ihn preisen. Euer Herz lebe auf, es lebe ewig!

28 An allen Enden der Erde wird man zur Einsicht kommen, und die Menschen werden zum Herrn umkehren. Alle Völker werden sich vor dir, ´Herr`, niederwerfen und dich anbeten.

29 Denn dem Herrn gehört das Königtum, er herrscht über alle Völker.

30 Die Großen der Erde werden ein Festmahl halten und sich anbetend vor dem Herrn niederwerfen. Auch alle, die in den Staub des Todes sinken, werden vor ihm niederfallen, alle, die keine Kraft mehr zum Leben haben.

31 Die kommenden Generationen werden ihm dienen. Denen, die noch geboren werden, wird man vom Herrn erzählen.

32 Verkünden wird man zukünftigen Völkern seine Rettungstaten. Man wird sagen: »Der Herr hat alles vollbracht!«


Was macht dieser Text in einer Passionsandacht?

Wer nur diesen Teil des Psalms kennt, der stellt sich in der Tat mit Recht die Frage, warum Psalm 22 als der Klagepsalm schlechthin gilt.
Ich bin sicher, Sie haben die ersten beiden Teile dieses Psalms noch im Ohr oder vor Augen. Der Mensch, dem Gott so ferne schien, und den er doch um Hilfe anrief. Diese beklagenswerte Kreatur, dem Tode deutlich näher als dem Leben und den Gewaltfantasien seiner Gegner augenscheinlich vollkommen ausgeliefert. Für diesen Menschen in einer absoluten Grenzsituation bleibt Gott die erste Adresse. Ihm klagt er sein Leid, ihn bettelt er um Hilfe an. Er entwirft keine Rachepläne, und er bittet auch nicht darum, seine Feinde zu vernichten.

Und dann die Wende:
Unser Beter wirkt wie neu geboren. Nicht allein, dass sich seine individuelle Situation vollständig verändert hat, er hat die großartige Vision vor Augen, dass Gott das Leben für alle zum Positiven wenden wird. Nicht die Androhung von Gewalt bringt eine Veränderung, sondern Einsicht. Die Einsicht, dass Gott es gut mit mir und mit meinem Nächsten meint, verändert die Einstellung zum Leben und damit auch das Leben selbst.

Der Beter ist sich sicher, Gott rettet!

Da schimmert die Osterbotschaft durch. Und deshalb gehört auch dieser Teil des Psalms zu unseren Passionsandachten. Denn ohne unseren Glauben, dass mit der Auferstehung Jesu am Ostermorgen Gott ganz neue Maßstäbe gesetzt hat, wären Passionsandachten sehr merkwürdige Veranstaltungen. Wir würden das Opfer eines lange zurückliegenden Justizskandals beklagen. Ein Schicksal, das vorher und nachher unzählige andere Menschen ebenfalls erlitten haben. Aber eine echte Bedeutung für mein Leben würde ich darin dann nicht unbedingt erkennen. 
Als Christ glaube ich aber, dass ein Teil Gottes an Karfreitag und in den Tagen davor die ganze Palette menschlichen Leidens bis hin zum Tod durchgemacht hat.
Wenn wir Gott unser Leid klagen, unsere Ängste anvertrauen und unsere Sorgen mit ihm teilen wollen, dann können wir sicher sein, er weiß wirklich, wovon wir reden. Und mit dem Ostergeschehen gilt für uns das, was uns im Johannes Evangelium in Kapitel 14 als Jesu Zusage an seine Freunde überliefert ist:
Weil ich lebe, sollt ihr auch leben.


Als Begleittext aus dem Neuen Testament empfehlen wir Ihnen heute Lukas 24, die Verse 13 - 35. Es ist das Evangelium für den Ostermontag, und diese Geschichte macht deutlich, dass die Geschehnisse rund um Karfreitag und Ostern selbst für die engeren Freunde Jesu nicht leicht zu begreifen waren. Wenn wir also beim Thema Ostern manchmal regelrecht ratlos sind, dann darf ich Sie beruhigen, wir befinden uns da in allerbester Gesellschaft.


Am selben Tag gingen zwei von den Jüngern nach Emmaus, einem Dorf, das zwei Stunden von Jerusalem entfernt liegt.
Unterwegs sprachen sie miteinander über alles, was ´in den zurückliegenden Tagen` geschehen war;
und während sie so miteinander redeten und sich Gedanken machten, trat Jesus selbst zu ihnen und schloss sich ihnen an.
Doch es war, als würden ihnen die Augen zugehalten: Sie erkannten ihn nicht.
»Worüber redet ihr denn miteinander auf eurem Weg?«, fragte er sie. Da blieben sie traurig stehen,
und einer von ihnen – er hieß Kleopas – meinte: »Bist du der Einzige, der sich zur Zeit in Jerusalem aufhält und nichts von dem weiß, was dort in diesen Tagen geschehen ist?« –
»Was ist denn geschehen?«, fragte Jesus. Sie erwiderten: »Es geht um Jesus von Nazaret, der sich durch sein Wirken und sein Wort vor Gott und vor dem ganzen Volk als mächtiger Prophet erwiesen hatte.
Ihn haben unsere führenden Priester und die anderen führenden Männer zum Tod verurteilen und kreuzigen lassen.
Und wir hatten gehofft, er sei es, der Israel erlösen werde! Heute ist außerdem schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.
Doch nicht genug damit: Einige Frauen aus unserem Kreis haben uns auch noch in Aufregung versetzt. Sie waren heute früh am Grab
und fanden seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, Engel seien ihnen erschienen und hätten ihnen gesagt, dass er lebt.
Daraufhin gingen einige von uns zum Grab und fanden alles so, wie es die Frauen berichtet hatten. Aber ihn selbst sahen sie nicht.«
Da sagte Jesus zu ihnen: »Ihr unverständigen Leute! Wie schwer fällt es euch, all das zu glauben, was die Propheten gesagt haben!
Musste denn der Messias nicht das alles erleiden, um zu seiner Herrlichkeit zu gelangen?«
Dann ging er mit ihnen die ganze Schrift durch und erklärte ihnen alles, was sich auf ihn bezog – zuerst bei Mose und dann bei sämtlichen Propheten.
So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wollte er weitergehen.
Aber die beiden Jünger hielten ihn zurück. »Bleib doch bei uns!«, baten sie. »Es ist schon fast Abend, der Tag geht zu Ende.« Da begleitete er sie hinein und blieb bei ihnen.
Als er dann mit ihnen am Tisch saß, nahm er das Brot, dankte Gott dafür, brach es in Stücke und gab es ihnen.
Da wurden ihnen die Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Doch im selben Augenblick verschwand er; sie sahen ihn nicht mehr.
»War uns nicht zumute, als würde ein Feuer in unserem Herzen brennen, während er unterwegs mit uns sprach und uns das Verständnis für die Schrift öffnete?«, sagten sie zueinander.
Unverzüglich brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück. Dort fanden sie alle versammelt, die Elf und die, die sich zu ihnen hielten.
Man empfing sie mit den Worten: »Der Herr ist tatsächlich auferstanden! Er ist Simon erschienen!«
Da berichteten die beiden, was sie unterwegs erlebt und wie sie den Herrn erkannt hatten, als er das Brot in Stücke brach.


Gehen Sie in die Nacht und in die nächsten Tage mit einem 
altirischen Segenswunsch:

Der Herr sei vor dir,
um dir den rechten Weg zu zeigen,
der Herr sei neben dir,
um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen,
der Herr sei hinter dir,
um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen,
der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst 
und dich aus der Schlinge zu ziehen,
der Herr sei in dir,
um dich zu trösten, wenn du traurig bist,
der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen,
wenn andere über dich herfallen,
der Herr sei über dir, um dich zu segnen.

Wir wünschen Ihnen allen eine gesegnete Osterzeit und sind zuversichtlich, uns auch wieder „Live und in Farbe“ in der Gemeinde begegnen zu können.

Horst Hoch und Stefan Rothenpieler

Abendmahltisch