Gottesdiensttermine

Abendmahltisch

 

Ewigkeitssonntag 2020

 Psalm 126 EG 754

Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird,

so werden wir sein wie die Träumenden.

2 Dann wird unser Mund voll Lachens

und unsre Zunge voll Rühmens sein.

Dann wird man sagen unter den Heiden:

Der HERR hat Großes an ihnen getan!

3 Der HERR hat Großes an uns getan;

des sind wir fröhlich.

4 HERR, bringe zurück unsre Gefangenen,

wie du die Bäche wiederbringst im Südland.

5 Die mit Tränen säen,

werden mit Freuden ernten.

6 Sie gehen hin und weinen

und streuen ihren Samen

und kommen mit Freuden

und bringen ihre Garben.

Gebet

Wir kommen heute zu dir, Gott mit unserer Trauer, unseren Ängsten, Fragen und auch Zweifeln. Warum lässt du Leid zu?

Wir kommen zu dir, Gott, und hoffen auf deine unergründliche Barmherzigkeit und bitten dich: Vergib uns unsere Kurzsicht.

Schenke uns ein waches Herz, das über diese Welt und unser Leben erwartungsvoll hinausblickt. Das bitten wir, weil du uns in Jesus Christus zum Bruder und Heil geworden bist und Leben schenkst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung: Jesaja 25, 6-10a

Gebet

Gott, unser Vater.

Wir danken dir, dass du uns so viele schöne Worte geschenkt hast, die uns für diesen Moment stärken sollen.

Das mächtigste Wort heißt "Jesus Christus".

Durch ihn lädst du uns ein zu deinem Festmahl.

Durch ihn breitest du deine Arme aus,

Durch ihn lässt du die Sonne aufgehen,

lässt Ostern werden

für Lebende und Tote.

Du schenkst uns das Leben, ganz gleich ob wir zurückbleiben und trauern

oder vorausgehen und deine Herrlichkeit sehen.

Stärke uns, leite uns und begleite uns und ebenso alle, um die wir trauern. Amen.

Predigt

Liebe Gemeinde! 

Wir alle haben ein schweres Jahr hinter uns, Corona hat uns alle ausgebremst und gleichzeitig in Atem gehalten. Viele hatten Angst, mussten sich in die Einsamkeit flüchten und wissen bis heute nicht, was noch wird und wie es weitergeht.

Das ist eine Belastung, aber das ist nichts gegen das Leid und den Schmerz, den all diejenigen gerade durchmachen, die einen lieben Menschen verloren haben.

Der Gedanke an ihren Tod, treibt uns auch heute die Tränen in die Augen. Der Schmerz ist allgegenwärtig. – und manchmal kommt die Frage auf, ob er jemals vergeht?

Manche können sich trösten mit der besonderen Nähe, die uns geschenkt wird, wenn wir einen Sterbenden begleiten dürfen. Anderen wurde selbst das in diesem verrückten Jahr genommen.

Das tut mir so leid!!

Aber, sie sind hier mit ihrer Trauer. Hier in diesem Gottesdienst unter dem Kreuz, mit Blick auf das blaue Fenster.

Mit Blick auf das was kommt.

Und ich hoffe, sie können sich aufgehoben fühlen und Trost finden. Hoffnung schöpfen!

In der Bibel ist die Rede von einer "lebendigen Hoffnung". Gemeint ist die Hoffnung, die darauf gründet, dass Jesus Christus vom Tod auferstanden ist.

Die Frage ist nur, ob diese Hoffnung wirklich in uns „lebendig“ ist. Ob wir sie uns zu eigen machen und sie in unserem Herzen groß werden lassen.

Die schöne Hoffnung auf einen Frieden, der unsere Herzen und Seelen beruhigt.

Die Hoffnung auf einen Glauben, der uns durch die Trauer hindurch trägt.

Dabei müssen wir gar nicht die ganze Theologie des Neuen Testamentes verstehen. Es genügt darauf zu vertrauen, dass Gott immer, unter allen Umständen mächtiger ist als der Tod

und dass wir nichts weiter machen müssen, als seine Hand zu ergreifen und den nächsten Schritt ins Leben zu wagen.

Ich glaube, dass das Sterben ebenso ein einzelner Schritt ins neue Leben ist, wie auch das Trauern, oder ein Abschied, eine Trennung oder das Erwachsen werden.

Es ist immer alles nur ein Schritt auf dem Weg ins Leben. Und dabei ist eins ganz sicher. Das wissen wir spätestens seit dem leuchtend hellen Ostermorgen in Jerusalem:

Wenn Gott uns führt ist es nicht der letzte Schritt. Gott wird das Abgebrochene, das Ungesagte, das Versäumte und all den Schmerz auf Erden heilen.

Es wird tatsächlich alles gut, weil wir in Jesus Christus eine lebendige Hoffnung haben. Unser heutiger Predigttext beschreibt diese lebendige Hoffnung ganz konkret und

wie ich finde wunderbar tröstlich.

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! 

Ein Mann schaut auf uralte Erfahrungen mit Gott zurück und vertraut darauf, dass Gott sich selbst auch in Zukunft in seinem Handeln treu bleibt. Er schaut in die Vergangenheit, und zugleich in die Zukunft.

Er beschreibt eine Hoffnung, die sich schon hundertfach erfüllt hat und das gibt ihm in seiner konkreten Situation Trost und Kraft.

Dieser Mann nennt sich Johannes - in Erinnerung an Jesu Lieblingsjünger. Er lebt unfreiwillig auf der Insel Patmos. Er lebt in der Verbannung. Er wurde von den Römern verbannt, weil er an seinem christlichen Glauben festgehalten

und gegen den römischen Kaiserkult Widerstand geleistet hat. Und er schreibt an Christen, die ebenfalls Widerstand leisten, die ihren Glauben nicht aufgeben, auch wenn sie damit ihr Leben aufs Spiel setzen.

Johannes setzt mit seiner Vision beim Propheten Jesaja an. Auch damals lebte das Volk im Elend.  Bildlich gesprochen „Im Elend“

„in der Wüste“

In der Wüst erlebte dasVolk Israel immer wieder dass Gott alles neu macht, dass er Wasser schenkt, Speise gibt, Orientierung und Nähe.

Er war da!  Er ist da!  Und er bleibt da!  In guten wie in bösen Tagen! 

Das war schon immer so und es wird auch jetzt, in Johannes Elend so bleiben, obwohl der prachtvolle Tempel in Jerusalem zerstört und das Volk brutal niedergemetzelt wurde.

Tod und Untergang beherrschte alles, aber Johannes ließ sich nicht vom Untergang beherrschen.

"Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein."

In diesen Worten liegt so viel Vertrauen auf einen liebevoll rettenden Gott. Lebendige Hoffnung! 

Gott sieht unsere Tränen! Er hat gesehen, wie Sie um ihre Frau, ihre Mutter/ ihren Vater, ihren Partner, ihre Lieben geweint haben.

Er steht hinter ihnen, wenn sie die Erinnerung und der Schmerz quält. Ja, er leidet mit, wenn sich in ihrer Seele Dunkelheit und Kälte ausbreitet. Es gibt keinen Seufzer, den er nicht hört.

Gott ist nichts verborgen. An allem nimmt er teil. Immer ist er in Ihrer Nähe und reicht ihnen seine Hand, um ihnen Kraft zu geben für den nächsten Schritt.

Leider erspart er uns noch nicht diesen schlimmen Weg! Wir müssen den Tod er-leiden, und einmal werden wir ihn selbst durchwandern.

Warum? Warum erspart Gott uns nicht das Sterben? Warum jagt er den Tod nicht endgültig aus dieser Welt,

den Tod, den sein Sohn – wie die Bibel sagt - doch schon besiegt hat?  Es gibt viele Versuche, das zu erklären. aber alle Worte bleiben nur Versuche, die uns nicht wirklich helfen,

sondern uns eher noch weiter trennen von Gott.

Ich glaube  – ich glaube ganz fest,  dass der Tod nicht unser Verderben ist, sondern dass Gott uns zu sich ruft, wenn für uns der richtige Moment gekommen ist. Ganz gleich, wie alt wir dann sind

und ganz gleich, wie viel Zukunft wir uns auf dieser Welt noch ausgerechnet haben. Gott hat das Große Ganze im Blick und:

das Leben. Und er schenkt uns das ewige, das vollkommene Leben, wenn unsere Zeit gekommen ist und dann gibt es keine Tränen mehr und kein Leid,

kein Schmerz und keine Angst. 

Ich weiß, dass dieses Vertrauen nicht für alle nachvollziehbar ist. Deshalb glaube ich auch, dass Gott auch unsere Wut, unsere Enttäuschung und unsere Distanz aushält.

Auch unsere Wüste, ist ihm nicht fremd. Er zieht mit hindurch und bietet sich als Kraft und Orientierung an.

Sich darauf zu konzentrieren verändert alles, das haben viele von uns schon oft erlebt.

Gott wird bei uns wohnen, und wir werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit uns, wird unser Gott sein;

und Gott wird abwischen alle Tränen von unseren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein,

noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein;

denn das Erste ist vergangen. Aber das zweite, das kommt!

Dieses Bekenntnis eröffnet uns immer eine Zukunft, und unseren Verstorbenen auch.

Wir leben noch eine kleine Weile hier auf Erden,

aber eine Ewigkeit bei ihm.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Hoffnung festige unseren Glauben und mache uns in der Liebe stark.

Amen

Gebet

Heute nennen wir vor dir,

ewiger Gott,
die Namen unserer Toten.

Heute denken wir vor dir, Gott,
an die Toten,
deren Namen uns verborgen sind.

Heute beklagen wir die Toten,
die uns nur in täglich neuen Zahlen bekannt sind.

Heute gedenken wir der Toten,
die mit Gewalt aus diesem Leben gerissen wurden.

Heute weinen wir um die Toten,
die gefoltert, verschleppt und getötet wurden,
die ertrunken sind und die niemand gerettet hat.

Nimm, Gott,
unsere Trauer und unsere Schuld,
unsere Schmerzen und unsere Wut,
unsere Sehnsucht und unseren Abschied und wandle alles in Frieden–
Du bist das Leben,

Vater Unser im Himmel ...

Segen