Gottesdiensttermine Ab dem 7. März feiern wir wieder Gottesdienst in der Kirche. Die Gemeindeversammlung kann leider nicht abgehalten werden.

Gottesdienstordnung Okuli (Meine Augen sehen stehts auf den Herrn)

Wochenspruch: Wer seine Hand an den Pflug legt und schaut zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Psalm 34

Ich will den Herrn loben allezeit;

sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.

Meine Seele soll sich rühmen des Herrn,

daß es die Elenden hören und sich freuen.

Preiset mit mir den Herrn

und laßt uns miteinander seinen Namen erhöhen!

Als ich den Herrn suchte, antwortete er mir

und errettete mich aus aller meiner Furcht.

Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude,

und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.

Als einer im Elend rief, hörte der Herr

und half ihm aus allen seinen Nöten.

Der Engel des Herrn lagert sich um die her,

die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.

Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist.

Wohl dem, der auf ihn trauet!

Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen!

Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.

Reiche müssen darben und hungern;

aber die den Herrn suchen, haben keinen Mangel an

irgendeinem Gut.

Wenn die Gerechten schreien, so hört der Herr

und errettet sie aus all ihrer Not.

Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind,

und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

Der Gerechte muß viel erleiden,

aber aus alledem hilft ihm der Herr.

Der Herr erlöst das Leben seiner Knechte,

und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld. Amen.

Gebet

Wir können wieder Gottesdienst feiern, das ist wunderbar. So viele Wochen waren wir allein Zuhause, haben die Prefigt gelesen oder Gottesdienst im Fernsehen geschaut. Es ist gut, dass es das gibt, aber hier in der Kirche mit dem Blick auf das Kreuz und das Blau deines Himmels fällt es uns leichter uns auf dich zu konzentrieren. Allein sind wir manchmal, sehr resigniert, guter Gott. Wir sind müde, weil wir den Eindruck haben dein Reich rücke in weite Ferne. Ungeduld verleitet uns, zu klagen und schwarz zu sehen. Jede schlechte Nachricht ist wie Öl auf das Feuer unserer Zweifel. Vertrauen vergeht und Hoffnung verstummt angesichts des Elends in der Welt. Wir sind nicht Salz der Erde und erst Recht nicht Licht der Welt, sondern eher ein glimmender Docht, der keine Kraft hat ein Feuer zu entfachen.

Wir suchen deine Nähe guter Gott und bitten um dein Erbarmen:

Ewiger Gott, du hast das Leben geschaffen,

du rufst uns durch deinen Sohn zur Nachfolge und schenkst uns deine Kraft und deinen Geist, lass uns alle Zeit dein Licht in dieser Welt sein.

Rette uns vor Resignation und Mutlosigkeit,

lass uns vielmehr glauben, dass Jesus Christus der Herr unseres Lebens ist, dass er lebt und wir mit ihm von nun an bis in Ewigkeit.

Amen.

Schriftlesung Lukas 9, 57-62

Predigt: Epheserbrief 5,1-8

Liebe Gemeinde,

unser Wochenspruch: Wer seine Hand an den Pflug legt und schaut zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“ klingt brutal gnadenlos und im wahrsten Sinne des Wortes „exklusiv“ also „ausschließend“. Wer es nicht schafft, der fliegt raus. Diese Worte klingen so gar nicht nach „Evangelium“, weil solch eine kompromisslose Bedingung keine „froh machende Botschaft“ ist. Was ist wenn ich doch zurückschaue? Vielleicht noch nicht einmal bewusst, sondern nur aus Versehen?

Was ist mit der vorauseilenden Gnade Gottes? Was mit der Taufzusage: Siehe ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.

Spüren sie die Verunsicherung, die in diesen Fragen steckt? Und den Zweifel, ob Jesu Wort vielleicht gar nicht gilt? Solch eine Verunsicherung kann aufkommen wenn man einen Text aus seinem Zusammenhang herauslöst und ihn als Solitär gegen seine Zuhörer verwendet. Wie viele Jahrhunderte wurden in den Kirchen solche Verbrechen an der Bibel begangen. Ganz gleich ob es sich um Geistliche in der katholischen,

der evangelischen oder freikirchlicher Gemeinden handelte; viele Pfarrer versuchten sich die Gläubigen untertan zu machen. Sie drohten mit der Hölle, der Strafe Gottes

und dem Verlust der Liebe Gottes. Manche von ihnen haben bis heute den strafenden Gott irgendwo im Hinterkopf. Auch im 21 Jahrhundert hat die Mehrheit der Bevölkerung noch nicht begriffen, was das Christentum eigentlich ausmacht, nämlich die bedingungslose Hingabe Gottes.

Unser heutiger Predigttext ist ein Paradebeispiel für solch einen „bewusst negativ verstandenen“ Text. Er klingt noch viel brutaler als der Wochenspruch.

Er stammt aus der Feder eines Paulus Schülers, der die Rechtfertigungslehre (allein aus Gnade) tatsächlich nicht so konsequent zu predigen scheint, wie Paulus

und er wurde und wird sehr gerne von fundamentalistischen Predigern benutzt, um die „verdorbene Menschheit“ auf den „rechten“ Weg zu bringen.

So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört, auch nicht von schändlichem Tun und von närrischem oder losem Reden, was sich nicht ziemt, sondern vielmehr von Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das ist ein Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. Darum seid nicht ihre Mitgenossen.

(Epheserbrief Kapitel 5, die Verse 1-8)

Da zieht man instinktiv den Kopf ein, oder? Nicht dass ich mit Unzucht oder irgendeiner Art von Unreinheit zu tun hätte. Glaube ich zumindest!

Das ist ja ein ganz aktuelles Thema, welches ich hier aber nicht erörtern werde,

denn wenn ich jetzt auf Kardinal Wölki und die katholische Kirche schimpfen würde, würde ich genau in die „Moralfalle“ tappen, die ich gerade bedauert habe.

Natürlich müssen Opfer zu ihrem Recht kommen und Täter zur Rechenschaft gezogen werden, aber erst einmal müssen wir auf den Predigttext hören!

Und da steht: Von Habsucht soll bei euch noch nicht einmal die Rede sein.

Da werde ich schon unsicher. Wo fängt Habsucht an und was ist noch legitim?

Bin ich nicht schon habsüchtig, wenn ich meinen westlichen Lebensstil pflege und rechtfertige obwohl für diesen Lebensstil Existenzen zerstört und Menschenleben geopfert werden? Und närrisches oder loses Reden?! Da kann ich mich nun wirklich nicht mehr raus reden. Ich nehmen mir zwar immer wieder vor, erst zu denken und dann zu sprechen, aber häufig gelingt mir das einfach nicht. Ich plappere los wie ein Äffchen und denke hinterher: Hättest du doch besser mal deinen Mund gehalten.

Bin ich deshalb nun eine Unreine, eine Götzendienerin und habe ich kein Erbteil am Reich Gottes? Scheint so!

Und schwups stecke ich in der Schublade, die von Moralaposteln und Drohpredigern aufgemacht wurde und die uns auch noch nach 2000 Jahren Christentum in ihren Bann zieht. Aber Moral und Theologie waren schon immer zwei verschiedene Paar Schuhe. Hier geht es zwar um die Laster dieser Welt und es geht um das Leben eines Christen, aber auch wenn es sich im ersten Moment so anhört, wird hier nicht der Zeigefinger erhoben und gedroht.

Ganz im Gegenteil: Der Verfasser des Epheserbriefes will seine noch junge, aber schon in Bedrängnis geratene Gemeinde ermutigen.

In Kapitel 2 sagt er der Gemeinde: Gottes Barmherzigkeit ist groß. Wegen unserer Sünden waren wir in Gottes Augen tot. Doch er hat uns so sehr geliebt, dass er uns mit Christus neues Leben schenkte. Denkt immer daran: Diese Rettung verdankt ihr allein der Gnade Gottes. 6 Er hat uns mit Christus vom Tod auferweckt, und durch die Verbindung mit Christus haben wir schon jetzt unseren Platz in der himmlischen Welt erhalten.

Diese froh machende Botschaft ist das Fundament auf dem unser Predigttext steht.

Und wenn unser Predigttext mit den Worten beginnt: „So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe“, dann ist das keine Ermahnung sondern eine Ermutigung. Lebt als das, was ihr seid! Lebt als Kinder des Lichtes!

Lebt als geliebte Kinder Gottes: Selbstbewusst! Ehrlich! Mitreißend!

Im griechischen Umfeld der Epheser war es durchaus üblich Gutes zu tun. Es gehörte zum guten Ton der Oberschicht „denen da unten“ zu helfen. Wer das Glück hatte, seinen Reichtum zu vermehren, konnte zeigen wie vermögend er war, indem er es an die, die üblicherweise ausgebeutet wurden, als Almosen zurück gab. Spenden als Statussymbol. Wer keinen Besitz hatte, konnte natürlich nicht spenden.

In der christlichen Gemeinde ist „Gutes Tun“ nun nicht mehr ein Privileg einiger Wohlhabenden, sondern jede Sklavin, jeder Sklave ist als Gottes geliebtes Kind zur Liebe in der Lage und berufen. Dadurch wird ihr Status enorm erhöht und die demütigende Geste des Almosen Empfangens wird aufgehoben.

Christen können allein durch ihr Leben, durch ihre Überzeugung, wie Könige geben!

Dabei geht es nicht in erster Linie darum, Geld zu spenden, sondern es geht vor allem darum die Güte, die wir täglich empfangen, zu leben: „Seid Nachahmer Gottes!“

Freiwillig, aus tiefstem Herzen, als Ausdruck unserer Freude und Dankbarkeit.

Gott hat sein Leben für uns gegeben. Sein Opfer soll das letzte Opfer sein, das gebracht werden musste, um die Trennung zwischen uns und seinem Himmelreich aufzuheben. Deshalb ist alles, was wir für andere tun kein Opfer, sondern eine Freude die uns mit Gott verbindet. Denken sie an einen Vater oder eine Mutter, die gemeinsam mit ihrem Sohn oder der Tochter den Garten neu gestaltet. Sie arbeiten zusammen, Seite an Seite und sind beide froh und glücklich über das Ergebnis, das sie mit vereinten Kräften geschaffen haben.So verhält es sich mit dem Reich Gottes.

Wir arbeiten nicht für Gott an seiner „besseren“ Welt, sondern mit Gott.

Gott hat durch Jesus die Tür zu seinem Reich aufgemacht. Jesu Tod war das letzte Opfer, das zur Versöhnung der Welt mit dem liebevollen, wahren, gerechten Gott gebracht werden musste. „Und der Wohlgeruch dieses Opfers hört gar nicht auf!“ sagt der Verfasser des Epheserbriefes. Dieses Opfer riecht wie ein frischer Ostermorgen.

Es riecht nach Leben und Ewigkeit, deshalb gilt es für immer und kann von niemandem zurück genommen werden. Gott hat sein Leben für uns gegeben und wir haben uns durch die Taufe und die Annahme unserer Taufe bei der Konfirmation

auf dieses Geschenk eingelassen. Wir sind in eine Beziehung mit ihm getreten.

In eine Liebesbeziehung. Neuer Mensch! Kind Gottes! Uns sind diese Begriffe fremd geworden. Sie sind nicht mit Leben gefüllt; vielleicht weil die Taufe keine bewusste, erwachsene Entscheidung mehr ist.

Für die Epheser oder auch andere Christen im ersten Jahrhundert hatte die Taufe weitreichende Konsequenzen. Die ersten Christen mussten mit ihren alten Riten und Traditionen brechen. Sowohl Juden, wie auch Griechen oder andere Heiden.

Der Verfasser des Epheserbriefes hat griechische Christen vor Augen. Unzucht und Habsucht, Götzendienst, leeres Geschwafel und üble Witze, all das ist Polemik die den traditionellen Lebenswandel der griechischen Welt abwertet.

Ihr seid jetzt Christen!“ ermutigt der Verfasser des Epheserbriefes. „Schaut nicht zurück! Denkt nicht zu lange darüber nach, was ihr verloren habt, sondern konzentriert euch auf das, was jetzt vor euch liegt!

Das ist ein Leben in Jesu Namen, als Nachahmer Gottes. Verschenkt Liebe, bleibt bei der Wahrheit, übt Gerechtigkeit denn dadurch seid ihr dem liebenden, wahren, gerechten Gott ganz nah. Wer zum Kind Gottes wird, der steht im Glanz dessen, der ihn geschaffen hat, der ihn erlöst hat und der ihn über den Tod hinaus in die Ewigkeit und in Gottes Reich bringen will. Er steht im Glanz des lebendigen Gottes und damit strahlt er selbst – über beide Backen! - aber auch durch seine Freiheit, seinen Mut und seine Hoffnung. Dieses Strahlen ist allerdings keine feststehende Installation, es ist eher ein Abenteuer. Das Abenteuer des Glaubens.

Unser Glaube wird immer bestimmt von Ängsten und Mut. Manchmal fühlen wir uns Gott ganz nahe und merken, dass wir strahlen und vielleicht sogar andere mit unserem Strahlen begeistern. Und manchmal spüren wir die Leere und die Kälte, die Mutlosigkeit und Angst der Gottesferne.

Davor will der Verfasser des Epheserbriefes seine Gemeinde bewahren, indem er sie in ihrem Glauben ermutigt. „Du Mensch bist geliebt von Gott, dem Schöpfer und Grund allen Seins. Du wirst nicht reduziert auf das wenige, was du selbst kannst oder glaubst oder hoffst. Du wirst nicht festgenagelt auf deine Fehler sondern wirst groß gemacht, nur wenig niedriger als Gott und du wirst zu Großem berufen!“

Ich finde diese Zusage können wir gerade heute gut gebrauchen. Z.B. In dieser Corona-Krise, an einem Punkt an dem viele die Geduld verlieren. Fremdbestimmte Menschen scharren mit den Hufen und wollen endlich wieder „leben“. Ängstliche glauben nicht mehr an eine unbeschwerte Zukunft, sondern sehen alles schwarz. Und wir? Wir stehen irgendwo dazwischen und können strahlen!! Weil wir glauben, dass Gott uns aus der Krise herausführt und einen guten Weg für uns kennt. 

Du wirst zu Großem berufen, z.B. in Bezug auf die Krise unserer Kirche. Viele Menschen verlassen die Kirche. Sei es aus Ekel oder Enttäuschung, sei es aus finanziellen Gründen oder weil sie den Sinn des christlichen Glaubens nicht mehr erkennen. Manche fragen sich, was wird aus unserer Kirche? Was kann ich schon ausrichten? Und andere erstellen Konzepte und Zukunftsvisionen.

Ich habe viel gelesen in diesen Wochen des Lockdowns. Und wissen Sie worauf all die gelehrten Bücher oder Artikel, die ich gelesen habe, immer wieder hinauslaufen? Was das Fazit, das Rezept für die Zukunft der Kirche Jesu Christi ist? Wir sollen bei dem bleiben, was uns trägt und begeistert. Wir sollen mit den Worten des Predigttextes gesprochen, in Gottes Licht stehen bleiben und strahlen - über beide Backen und aus vollem Herzen. Wir sollen nicht zurück schauen, sondern nach vorn, auf das, was auf uns aus heiterem Himmel zukommt.

Wir sollen dem liebenden, wahren, gerechten Gott vertrauen, denn er hält unsere Zukunft in seiner Hand. Amen.

Fürbitten

Hilf uns, Gott des Lebens.
Hilf uns in dieser Zeit mit deiner Güte,
mit deiner Gerechtigkeit,
mit deiner Wahrheit.

Hilf denen,

die an deiner Güte zweifeln,
die fragen, wo du bleibst,
die sich vor der Zukunft fürchten,
die sich aufreiben und nur Finsternis sehen.
Hilf du und antworte ihrer Not.

Hilf denen,

die nach Gerechtigkeit schreien, auch in deiner Kirche!
Die hungern, die sterben, die von allen verlassen sind.
Hilf du und sorge für ein gerechtes Leben.

Hilf denen,

die um die Wahrheit ringen, die sich der Lüge verweigern,
die dich suchen, trotz großer Demütigung und großem Leid,
die dir vertrauen und Jesus nachfolgen.
Hilf du deiner Gemeinde – hier und in aller Welt.

Diese Zeit braucht Menschen, die aus deiner Güte leben.

Diese Zeit braucht Menschen, die die Gerechtigkeit lieben.
Diese Zeit braucht Menschen, die die Wahrheit bezeugen.
Mache du uns zu solchen Menschen
durch Jesus Christus, deinen Sohn
und unseren Bruder und Erlöser.
Ihm vertrauen wir uns an – heute und alle Tage.
Amen.

Vaterunser im Himmel geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unserem Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen, denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Der Herr segne und behüte dich,

der Herr erhebe sein Angesicht über dich und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden.