Wir feiern Präsenz-Gottesdienst unter unserem Hygienekonzept.

Vor der Kirche muss ein medizinische Mundschutz oder FFP2 Maske aufgesetzt werden. Unsere Gottesdienstbesucher/innen werden von einer Presbyterin oder einem Presbyter begrüßt und mit den Hygienemaßnahmen vertraut gemacht.

Die Hände müssen entweder im Gemeindehaus gründlich gewaschen oder vor der Tür desinfiziert werden.

Die Besucher/innen werden vom Küster in eine Liste eingetragen.

Die besondere Rückverfolgbarkeit gewährleisten wir, indem wir neben der Erhebung von Namen, Adresse und Telefonnummer einen Sitzplan erstellen, der darüber Auskunft gibt, welche Person wo gesessen hat.

Die Sitzreihen werden von vorne nach hinten besetzt. Der Sitzplatz darf bis zum Ende des Gottesdienstes nicht verlassen werden. Der Mundschutz muss während des gesamten Gottesdienstes getragen werden.

Am Ende des Gottesdienstes werden die Gottesdienstbesucher/innen von den letzten bis zu den ersten Reihen einzeln aus der Kirche gebeten.

Das Kollektenkörbchen steht auf einen Stuhl im Ausgang.

Die Kirche hat max. 47 Plätze (27 Einzelplätze). Diese Zahl darf nicht überschritten werden.

Es wird sonntags ein kurzer Gottesdienst (max. 45 Minuten) um 10:00 Uhr angeboten.

Abendmahl:

Auf das Abendmahl wird vorerst verzichtet.

Liebe Gemeinde!

Ohne seine Sinne kann der Mensch nichts machen: Fühlen, Schmecken, Riechen, Sehen und Hören, die Wahrnehmung von chemischen, mechanischen und Lichtreizen von außen oder auch der inneren Organe wie z. B. Bauchschmerzen und Hunger. Und wie wichtig das Hören ist, muss man niemandem erklären. Das dazugehörige Organ beschreibt werbend ein Hörgerätehersteller: „Die Ohren sind das Tor zur Welt.“ Wie vielfältig „hören“ im Alltag daherkommt, macht unsere Sprache deutlich: ab-hören, an-hören, heraus-hören, mit-hören, über-hören, um-hören, ver-hören, weg-hören, zu-hören. Und dann noch die vielen Wörter mit dem Wortstamm „hören“, die so gar nichts mehr mit dem menschlichen Sinn zu tun haben. Gehen Sie mal den umfangreichen Katalog der Vorsilben für den Wortstamm „hören“ für die Substantive durch.

„Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr. Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor, dass ich mit seinem Worte, begrüß das neue Licht. Schon an der Dämmrung Pforte ist er mir nach und spricht“, so dichtete Jochen Klepper die erste Strophe seines bekannten Liedes, das wir unmittelbar vor der Predigt gesungen haben. Er bezieht sich hier auf zwei Verse aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jesaja 50, 4 f). Der Bibeltext war Klepper als Tageslosung der Herrnhuter Brüdergemeine begegnet. Entnommen ist er der Darstellung des leidenden Gottesknechts, dem stellvertretenden Leiden des Propheten. Die Tageslosung wurde, wie Klepper gestand, zu einem Ohrwurm. Noch am selben Tag dichtete Klepper das Lied. Wie der Prophet hat Jochen Klepper erlebt, dass das Wort Gottes schöpferisches Wort ist, das die Kraft hat, im Großen und im Kleinen die Welt zu verändern. Das Lied spricht nicht nur vom Morgen eines neuen Tages, an dem die Welt wieder wach wird und - wie jetzt- ganz früh, eine fast ohrenbetäubende Geräuschkulisse des vielfältigen Vogelzwitscherns entsteht. Da laufen gerade die Amselmännchen voller Inbrunst zur Höchstform auf. 12 verschiedene Tonfolgen hat mein lauter Nachbar auf der Antennenstange für seine Botschaft drauf. Das Ohr als Empfänger ist ein Wunderwerk Gottes mit einer eindrucksvollen Anatomie wie Sie auf dem Gottesdienstblatt sehen. Die aufgenommenen akustischen Signale werden selektiert. Und dabei wird das Gehirn aktiv. Denken wir beispielsweise an einen großen Speisesaal mit vielen Menschen beim gemeinsamen Essen und lauten Unterhalten in einem Altenheim.

Im Lied Kleppers geht es aber auch und vor allem um ein Hören im übertragenen Sinne. Hier spricht Gott. Und der Mensch, das durchaus selbstständige und selbstbewusste Geschöpf Gottes, soll hören und glauben. Nicht allein mit dem Ohr, sondern auch mit dem Herz. Der „rote Faden“ dafür wird gleich am Anfang der Welt gelegt. So sammelt das sogenannte Alte Testament ist eine große Zahl von  Hör-Büchern über die Beziehung und die Kommunikation zwischen Gott und dem Menschen, einzeln, als Gemeinschaft oder Volk Israel. Die Hochschätzung des rechten Hörens ist überlebenswichtig. Die Störung der Hörwilligkeit der Menschen beeinträchtigt ihr Miteinander schwer wie in der Geschichte von der babylonischen Sprachverwirrung beschrieben. Das war noch die Zeit, als Traditionen vor allem mündlich vermittelt wurden: „Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer“ (Deuteronomium/5. Mose 6, 4). Zugleich stand dahinter die Aufforderung zu Gehör und Gehorsam. So finden wir im Hebräischen das Wort „shama“. Es bedeutet sowohl „Hören“ als auch „Gehorchen“. Das Hebräische unterscheidet also nicht zwischen Hören und Gehorchen im Unterschied zum Deutschen. Der Zusammenhang von Gehorsam und Erhörung kommt  deutlich in den Gebeten vor. Die Bitte um Erhörung gehört zur Klage in den Psalmen. Da ist das Vertrauen darauf, dass angehört und zugehört wird, die Basis allen Betens und die Feststellung „Er hat gehört!“ Bildlich intensiviert wird vom „Neigen des Ohrs“ gesprochen, im weiteren Sinne auch „verstehen“. Lobpreis aus Dankbarkeit ist die Folge aus einem erfolgreichen Hören und Gehörtwerden. Das Neue Testament setzt diesen Faden der Theologie fort, vor allem dort, wo Jesus spricht: „Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren“ (Lukas 11, 28). Und „Siehe“, so im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, „ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir“ (Offenbarung 3, 20).

Jochen Klepper verstand sich In einer bedrohlichen Lage unter der Hitler-Diktatur als geistlicher Schriftsteller. Hören und Nicht-Hören entscheiden über das Schicksal jedes Menschen und jedes Volkes. Damals wie heute. „Er weckt mich alle Morgen“ ist ein Lied zum Nachdenken. Am Morgen eines jeden Tages offenbart sich Gott  aus dem Verborgenen, wenn die Welt zum neuen Leben aufgeweckt wird. Jeder Tag wird ein Schöpfungserlebnis und ein Glaubensfest. Mit dem Morgenlied zieht Klepper jede Sängerin und jeden Sänger in die Nachfolge Jesu Christi hinein, die vom Wort Gottes leben. Jede Strophe seines Liedes beginnt mit „Er“ – mit Gott. Eine hörbare Ansage von Distanz, ja, Ablehnung der nationalsozialistischen Herrschaft, nur eben zwischen den Zeilen, aber ganz hörbar für den Menschen mit Lebenserfahrung im Glauben. Das Morgenlied ist eine Vergewisserung, wo man steht und wem man gehorsam ist. „Er“, Gott, der Herr, und ich begründen ein inniges Verhältnis durch die Musik. „Er“ will nicht uns nicht grenzenlos kommandieren und die Freiheit rauben. „Er“ will unser Vertrauen gewinnen und die Verbindung zwischen ihm und mir durch den Glauben stärken. „Er“ will Nähe und Begleitung. Bildhaft dargestellt wie ein Kleidungsstück, das wir am Körper tragen, um uns zu wärmen und zu schützen.  Dabei entsteht eine Leichtigkeit und Heiterkeit wie ein Schutzschild für schwerste Herausforderungen im Leben. Die Melodie zu Jochen Kleppers Lied macht seine Frohe Botschaft so einprägsam, das es für viele zum geistlichen Ohrwurm geworden ist.

 

Im Alltagsleben ist das Hören auf die Stimme Gottes anspruchsvoll. Es kommt auch auf die bewusste Entscheidung an, welcher Quelle ich zuhören will. In wie vielen Situationen unseres Lebens wünschen wir uns, die Stimme Gottes hören zu können, aber wir vernehmen sie nicht. Wie oft denken wir: „Ich wüsste so gerne, was Jesus jetzt zu dieser Angelegenheit sagen würde!“ Aber da ist die Kommunikation schwierig. Denn Gottes Gedanken sind nicht gleichzeitig unsere Gedanken. Jeden Menschen bewegt etwas, aber nicht alles, was uns bewegt, bewegt auch Gott! Nicht alles, was uns wichtig und dringlich erscheint, ist auch in den Augen Gottes wirklich wichtig und dringlich!  Wer hört und nicht gehorcht, hat in den Augen Gottes nicht richtig gehört! Richtiges Hören beinhaltet, dass wir seine Aussage zu unserer eigenen machen. Wenn wir der Stimme Jesu zuhören, hören wir Wort Gottes. Es geschieht vor allem durch die Bibel. Aber auch einzelne Menschen werden direkt angesprochen.  Eine Auswahl solcher Worte Gottes für ein biblisches Hören finden Sie im Gottesdienstheft.

Aber oft bleibt eine Unsicherheit, weil es keinen konkreten und verständlichen Befehl „von oben“ gibt. Gerade in schwierigen Lagen wären wir doch gerne die Last der Entscheidung und Verantwortung los. Ach ja, was wäre es so schön entlastend für uns, wenn wir dann immer einen „Zettel vom Himmel“ bekämen. Aber da unterschätzen wir die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung, die Gott uns Menschen als Geschöpfe aufgetragen hat – einschließlich fataler Fehler. Gott tut das auch deshalb, damit wir in der Demut bleiben und merken, dass wir auch auf die Gaben anderer Menschen angewiesen sind und dass andere etwas haben, was uns fehlt.

Aber vieles wird durch die Grundhaltung des Herzens erleichtert, von manchen als Gewissen oder Bauchgefühl verstanden. Welche Grundhaltung haben wir im Innersten unseres Herzens Gott gegenüber? Wie ist unsere Beziehung zu Gott? Die liebevolle Beziehung zu Jesus Christus und dem himmlischen Vater trägt durch Zeiten der Unsicherheit und schafft innere Ruhe. Das Reden Gottes hören wir zum Beispiel durch die Tageslosung wie einst bei Jochen Klepper. Wer sich von Gott wirklich geliebt weiß, wird auch für das Reden Gottes viel offener. Gleichzeitig lässt auch unser „Verdrängungsmechanismus“ nach, mit dem wir einzelne Lebensbereiche vor Gott ausklammern.

Das Gebet und das Stillwerden vor Gott sind unabdingbare Voraussetzungen für Chancen  Gott zu hören. Mit dem Stillwerden vor Gott tun wir uns schwer in einer Zeit, die immer schneller zu werden scheint. Viele denken und handeln so: Nur gar nichts verpassen. Und doch fürchten wir uns vor einer neuen Erkenntnis und Veränderungen, die nicht in die scheinbare Ruhe und Überschaubarkeit der Gewohnheit passt. So könnten wir Jochen Kleppers Lied auch verstehen als die Einleitung zu einer stillen Zweisamkeit mit Gott am frühen Morgen, bevor die Welt hektisch wird, als eine Schärfung unserer Sinne auf den Wesentlichen und das Wesentliche hin.  

Gott spricht zu uns, indem er uns eine innere Gewissheit gibt. Sicherheit und Stärke beziehen wir durch den Tröster, den Heiligen Geist, insbesondere bei Entscheidungen, die wir eigentlich so nicht treffen wollen. Während eines Gebetes bekommt man plötzlich einen Eindruck von Gewissheit und innerem Frieden. Bei solchen Erfahrungen kann man das Reden Gottes erkennen, wie er in unser Leben hineinspricht. Dann kommt es oft zu einer Begegnung oder zu einem Gespräch mit einem Menschen und man spürt: Das ist die Lösung! Das ist der Weg!

Denn die Liebe Gottes, welche größer ist als alle Vernunft und Kurzsichtigkeit des Menschen, bewahre unsere Sinne und unser Herz in Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Darauf können wir als Antwort auf das folgende Lied hören:

EG 432, 1-2:

(1) Gott gab uns Atem, damit wir leben, er gab uns Augen, dass wir uns sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

(2) Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.